Verstopfung

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über Ursachen und mögliche unterstützende Maßnahmen bei Verstopfung

Allgemeines

von: Florian Raggl, BSc, MSc (Palliative Care) & Sarah Jessica Heller, BSc

Verstopfung bedeutet eine erschwerte oder verzögerte Darmentleerung. Sie ist oft mit hartem Stuhl verbunden und kann Schmerzen verursachen. Besonders bei regelmäßiger Einnahme von Opioiden (Schmerztherapie) ist Verstopfung eine häufige Nebenwirkung – hier sind vorbeugende Maßnahmen sehr wichtig.

Wichtig: Ein fehlender täglicher Stuhlgang ist nicht automatisch ein Problem. Entscheidend ist, ob Beschwerden wie Pressen, Völlegefühl oder Schmerzen auftreten.

Mögliche Ursachen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. Opioide, Antidepressiva, Chemotherapie, Diuretika)

  • Begleiterscheinung der Grunderkrankung, etwa durch Tumoren oder Bauchfellbefall

  • Flüssigkeitsmangel

  • Bewegungsmangel durch Schwäche oder eingeschränkte Mobilität

  • Ballaststoffarme Ernährung oder veränderte Essgewohnheiten

Unterstützende Maßnahmen

Ernährung und Flüssigkeit:

Ausreichend trinken

  • Wasser, Suppen, Kräuter- oder Früchtetees (außer Schwarztee)

Klassische Hausmittel

  • Apfel-, Trauben-, Pflaumen- oder Sauerkrautsaft können die Verdauung unterstützen

Verdauungsfördernde Flüssigkeiten

  • 1 EL Apfelessig in 1 Glas Wasser, nüchtern – Wirkung nach ein paar Tagen

  • Rogaska Mineralwasser

Leicht verdauliche Kost

  • stopfende und stark blähende Speisen meiden

Ballaststoffreich essen

  • Vollkornprodukte mit Weizenkleie/Haferkleie

  • Obst – z. B. reife Bananen, Äpfel, Feigen, Datteln

  • Gemüse – z.B. Fenchel, Kartoffel, Karotten

  • 1 TL Flohsamen mit 200 ml Flüssigkeit – nachtrinken!

  • 1–2 EL Leinsamen mit 150 ml Flüssigkeit – nachtrinken!

  • Ballaststoffreiche Lebensmittel machen den Stuhl weicher und gleitfähiger, wenn ausreichend getrunken wird

Pflaumen & Sennesblätter

Pflaumen/Feigen

  • ca. 3 Stk. über Nacht einweichen

  • am nächsten Morgen Früchte und Saft einnehmen

  • über längere Zeit einnehmen

  • Alternativ: fertiges Pflaumensaftkonzentrat (OptiXpress®), Empfehlung: 1 Flasche pro Tag, nüchtern

Sennesblätter

  • als Abführtee, Tabletten, Dragees

  • Neda® Früchtewürfel

  • Ergänzend: kleine Mengen Birkenzucker (1–3 TL täglich) können die Verdauung anregen.

Alltagsunterstützung

  • Routinen schaffen: morgens ein Glas lauwarmes Wasser oder eine Tasse Kaffee auf nüchternen Magen.

  • Leichte Bewegung: kurze Spaziergänge oder sanfte Gymnastik – im Rahmen der körperlichen Möglichkeiten. Schon kleine Bewegungen können den Tagesablauf strukturieren und wohltuend sein.

  • Stress vermeiden: Zeitdruck auf der Toilette vermeiden, Ruhepausen einplanen.

Wickel und Anwendungen

  • Bauchmassagen: sanfte Streichungen im Uhrzeigersinn, z. B. mit Johanniskrautöl, können entspannend wirken.

  • Wärme: Kirschkernkissen, Heublumensäckchen oder feucht-heiße Kompressen.

  • Schwarzkümmelöl: 1–3 Teelöffel täglich können zusätzlich wohltuend sein.

Achtung: Bei Erbrechen, Bauchschmerzen, Darmverschluss und bei Blutungen im Verdauungstrakt dürfen keine Einläufe durchgeführt werden.

Beachte: Opioide (z. B. Hydal®, Vendal®) machen den Darm träge. Bei Beginn mit Opioiden soll daher standardmäßig mit der Einnahme von abführenden Mitteln begonnen werden, um einer Verstopfung frühzeitig entgegenzuwirken.

Leinsamenkompresse

  • Vorbereitung: 100 g umgeschrotete Leinsamen mit ca. 250 ml Wasser in einem Topf langsam erhitzen.

  • Kochen: So lange köcheln lassen, bis ein schleimiger Brei entsteht. Dabei gelegentlich umrühren.

  • Anwendung: Den warmen Brei fingerdick auf eine Kompresse oder ein Baumwolltuch streichen.

  • Auflegen: Die Kompresse auf den Bauch legen (am besten im Bereich des Dickdarms).

  • Dauer: Solange belassen, wie es angenehm ist – meist 20–30 Minuten.

  • Nachsorge: Die Haut vorsichtig reinigen und trocken tupfen.

Diese Anwendung kann als entkrampfend und wohltuend empfunden werden.

Wichtiger Hinweis

Die hier bereitgestellten Maßnahmen dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Beratung, Diagnose oder Therapie. Maßnahmen zur Symptomlinderung sollten nur nach ärztlicher Rücksprache durchgeführt werden. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Beschwerden immer an die behandelnden Ärzt:innen.

Quellen:

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