Tumorwunden

Tumorwunden bringen komplexe körperliche und psychosoziale Belastungen mit sich – im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch, nicht die Wunde.

Tumorwunden

Allgemeines

Von: Florian Raggl, BSc, MSc (Palliative Care)

Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger & Wundmanager

Tumorwunden entstehen häufig im Zusammenhang mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Mögliche Ursachen sind ein Hauttumor, eine Hautmetastase (Absiedelung eines anderen Tumors) oder der Durchbruch eines Tumors aus tieferen Gewebsschichten.

Häufige Symptome sind Schmerzen, Geruch, übermäßiges Wundsekret oder Blutungen. Hinzu kommen die Veränderung des Körperbildes und die damit verbundene psychosoziale Belastung. Betroffene sollen nicht auf ihre Wunde reduziert werden, sondern als MENSCH gesehen werden.

Nicht die Heilung steht im Vordergrund, sondern die bestmögliche Lebensqualität!

Ziele der Versorgung

  • Linderung von wundbezogenen Symptomen

  • Wundversorgung mit geeigneten Verbandsmaterialien

  • Veränderungen des Körperbildes und deren Auswirkungen sollen aktiv und empathisch angesprochen werden

  • Einbezug von Angehörigen

Bei Unsicherheiten und komplexen Wunden sowie speziellen Fragestellungen sollen Expert*innen für Wunden hinzugezogen werden.

Wundversorgung allgemein

  • Vorbereitung der benötigten Materialen, um die Zeit des Verbandswechsels so kurz wie möglich zu halten

  • die Erstellung von Plänen (genaue Reihenfolge der Wundversorgung, ev. mit Bildern) und „Wundversorgungsboxen“ zur Aufbewahrung aller benötigten Materialien können hilfreich sein

  • angenehme Position während des Verbandswechsels

  • Zugluft, langes Offenhalten der Wunde vermeiden

 

Schmerzen

  •  bei zu erwartenden Schmerzen VOR dem Verbandswechsel ein Schmerzmittel einnehmen bzw. verabreichen

  • behutsames Ablösen des Wundverbandes – ev. durch Betroffene selbst, angetrocknete Verbände mit Kochsalz anfeuchten

  • Vermeiden von starken mechanischen Irritationen während der Wundreinigung – z. B. besser Spülen statt Wischen

  • Wundspüllösungen anwärmen – z.B. leichtes Erwärmen in einem Wasserbad (körperarm)

  • Wundauflagen und Fixierpflaster mit einer Silikonbeschichtung verwenden, um ein Verkleben mit der Wunde/Umgebungshaut zu vermeiden

  • lokale Behandlung mit schmerzlindernden Gels (Xylocain® Gel 2 %, Morphin-Gel 0,1 %) bzw. eine Wundauflage mit integriertem Schmerzmittel verwenden (Biatain® Ibu) – nach ärztl. Rücksprache

  • Entspannungsübungen, Musik, Bezugspersonen hinzuziehen

Geruch

Das Vorhandensein von Wundgeruch stellt häufig eine große Belastung dar. Die Eindämmung und Beseitigung haben eine hohe Priorität.

  • Wundreinigung mit konservierten Wundspüllösungen

    Actimaris® Wundspüllösung (geruchsreduzierende Zusammensetzung)lokale Wundantiseptika bei übermäßigem bzw. zunehmendem Geruch

  • Einnahme von Chlorophyll-Dragees (Achtung: Grünfärbung der Zunge)

  • Einnahme von Antibiotika (Metronidazol® - nach ärztl. Rücksprache)

  • zusätzliche Reinigung der Wunde mit Metronidazol®-getränkten Kompressen – nach ärztl. Rücksprache)

  • Tupfer mit grünem Tee auf die Wunde auflegen

  • sekretaufnehmende und keimbindende Verbandsmaterialien verwenden

  • Wundauflagen mit Aktivkohle verwenden

    Zusätzliche geruchsreduzierende Maßnahmen:

  • regelmäßiges Lüften, täglicher Kleidungs- und Wäschewechsel

  • Raumgestaltung mit Kaffeepulver, Katzenstreu, Waschpulver, verdünntes Flüssigwaschmittel als Raumspray, Rasierschaum – regelmäßig erneuern

  • ätherische Öle zur Raumbeduftung – mit Bedacht einsetzen (intervallmäßig) – Vorlieben beachten!

  • Abdichten des Verbandes mit einer Haushaltsfolie ist für eine kurze Zeit möglich (z. B. bei einem Besuch, für einen Ausflug)

Wundsekret

  • saugfähige Wundauflagen verwenden

    Alginat, Hydrofaser, Schaumstoff, Saugkompressen, Superabsorber

  • an Wunddistanzgitter denken, um ein Verkleben mit der Wunde zu vermeiden

  • bei vermehrter Sekretbildung: Wundrand und Wundumgebung schützen (z. B. Cavilon Lolly®), um ein Aufweichen, Schmerzen und Juckreiz zu vermeiden

  • über dem Wundverband Materialien aus der Inkontinenzversorgung verwenden, um übermäßiges Wundsekret aufzufangen

Blutung

Tumorwunden sind meist gut durchblutet. Daher kann es immer wieder zu Kontakt- oder Spontanblutungen kommen. Die Maßnahmen richten sich nach der Intensität der Blutung. Wichtig sind vorausschauende Maßnahmen, um für den Fall gut vorbereitet zu sein.

  • gerinnungshemmende Medikamente überprüfen

  • bei leichten Blutungen reicht meist ein leichter Druck mit Kompressen für kurze Zeit

  • Verbandsmaterialien wie Alginate haben eine blutungshemmende Wirkung – diese können bei der Kompression eingesetzt werden

  • Anwendung von Kälte – z. B. Coldpacks, Kompressen gefüllt mit Eiswürfel aus Kochsalz – nur kurz anwenden!

  • lang gezogener Salbeitee (10 – 15 Minuten) als Wundspülung oder Kompresse

  • Otrivin®-Tropfen auf die blutende Stelle geben

  • bei stärkeren Blutungen: Kompressen mit Tranexamsäure® - nach ärztl. Rücksprache

  • dunkle Laken/Handtücher als Unterlage bereitlegen

  • Notfallmedikation mit betreuendem Team besprechen und griffbereit zur Hand haben

Im Falle einer starken Blutung

  • Druck auf blutende Stelle ausüben

  • wenn nötig in stabile Seitenlage bringen, um Atemwege frei zu halten

  • Notfallmedikation entsprechend verabreichen

Vorausschauende Planung, das Besprechen der Situation und das Wissen um hilfreiche Maßnahmen gibt Sicherheit und reduziert Ängste! Eine umsichtige und gut geplante Wundversorgung kann die Lebensqualität aller Beteiligten deutlich verbessern!

Wichtiger Hinweis

Die hier bereitgestellten Maßnahmen dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Beratung, Diagnose oder Therapie. Maßnahmen zur Symptomlinderung sollten nur nach ärztlicher Rücksprache durchgeführt werden. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Beschwerden immer an die behandelnden Ärzt:innen.

Quellen:

Danzer, S. (2016). Palliative Wundversorgung, Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH.

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e. V. (2021). Zum Umgang mit malignen Wunden – Handlungsempfehlungen für die Praxis. Online: https://www.dgpalliativmedizin.de/dgp-veroeffentlichungen/broschueren

Dissemond, J./Kröger, K. (2020). Chronische Wunden. Diagnostik – Therapie – Versorgung, München: Elsevier GmbH.

Feichtner, A./Kössler, H. (2020). Palliative Wundversorgung in der Praxis, Wien: Facultas Verlags- und Buchhandels AG.

Krull, E. et al. (2025). Wundversorgung in der Palliativmedizin/Palliative Care. Zeitschrift für Palliativmedizin, 26, S. 97-112.

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) (2020). Erweiterte S3-Leitlinie: Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung, Langversion 2.2, AWMF-Registernummer: 128/001OL. Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Palliativmedizin/Version_2/LL_Palliativmedizin_Langversion_2.2.pdf

Uebach, B. (2022). Leitliniengerechte Versorgung von Patienten mit malignen Wunden. Die neue S3-Leitlinie für Patienten mit einer nichtheilbaren Krebserkrankung. HNO, 70 (3), S. 167-178.