Mundpflege in der Palliative Care

In diesem Beitrag wird darauf eingegangen, warum regelmäßige Mundpflege wichtig für das Wohlbefinden ist und welche einfachen Maßnahmen Beschwerden wie Trockenheit, Beläge oder Schmerzen lindern können.

Allgemeines

von Florian Raggl, BSc, MSc & Sarah Jessica Heller, BSc

Mundtrockenheit ist eines der häufigsten Symptome am Lebensende. Gründe dafür sind die verminderte Speichelbildung, eine reduzierte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Medikamente oder die Atmung durch den offenen Mund.

Grundsätze der Mundpflege

Die Mundhöhle ist eine der wahrnehmungsstärksten Zonen des Körpers und gehört zu den besonders sensiblen Bereichen (= Intimbereich). Wichtig ist ein freiwilliges Öffnen des Mundes von Betroffenen! Eine regelmäßige Mund- und Lippenpflege fördert das Wohlbefinden deutlich und kann ein starkes Durstgefühl lindern – am Lebensende führt die Gabe von Infusionen oft zu neuen Symptomen wie Wasseransammlungen im Gewebe und in der Lunge. Durstgefühl kann durch regelmäßige Mundpflege gelindert werden. Grundsätzlich gilt, dass Gewohnheiten, persönliche Vorlieben und Wünsche beachtet werden sollen.

Inspektion der Mundhöhle

Wenn möglich, sollte die Mundhöhle täglich kontrolliert werden. Besonderes Augenmerk liegt auf:

  • Beläge

  • wunde bzw. offene Stellen

  • Blutungen

  • Verletzungen/Druckstellen durch Zahnprothesen

Mundbefeuchtung und Pflege der Mundschleimhaut

  • Flüssigkeiten/Getränke über den Tag verteilt anbieten

  • Öle: Mandelöl, Olivenöl, Kokosöl, Sonnenblumenöl (achten Sie auf Bioqualität)

    • Sanddornfruchtfleischöl als Zusatz (z. B. 20 ml Mandelöl + 10 Tropfen Sanddornfruchtfleischöl) – Achtung: kurzzeitige Orangefärbung

  • Butter oder Schlagobers

  • Creme-Eis (kühlende und fettende Wirkung)

  • klare Suppe

  • mehrmals tgl. Mundspülungen durchführen (alkoholische Mundspülungen vermeiden –> trocknen eher aus)

  • Mundpflegelösungen (z. B. Panthenollösung), Helago®-Pflegeöl

  • Aromapflege®-Mundwasserkonzentrat

  • Luftfeuchtigkeit im Raum erhöhen

  • Von „Lemonswabs“ wird abgeraten – sie verstärken die Mundtrockenheit

Bei der Übernahme der Mundpflege gilt es darauf zu achten, dass der Oberkörper von Betroffenen erhöht wird, um ein Verschlucken zu vermeiden.

Denken Sie auch an ein regelmäßiges Ausspülen (vor allem nach Mahlzeiten) und an eine sorgfältige Reinigung eventuell vorhandener Zahnprothesen.

Speichelproduktion anregen

  • kauen von trockenen Speisen – z.B. trockenes Brot

  • kauen von gedörrten Äpfeln oder Marillen

  • säuerliche Säfte oder Tees (z. B. Orangensaft, Hagebutten- oder Hibiskustee)

  • gefrorene Saftwürfel/Gummibärchen/Honigwürfel lutschen

  • saure Lutschbonbons (zuckerfrei)

  • Eibischteig Bonbons kauen

  • Kardamom- oder Fenchelsamen kauen

  • sanftes Massieren der Wangen im hinteren Bereich des Ober- und Unterkiefers

  • ätherisches Zitronenöl in Duftlampe oder auf Duftstein (intervallmäßig)

Unterstützende Materialien zur Mundpflege

  • Mundspatel zur Inspektion der Mundhöhle

  • Mundpflegestäbchen (Swabs): mit Wasser/Getränk tränken und Zunge bzw. Mundhöhle damit befeuchten

  • Pipette oder Sprühflasche

  • Strohhalme (ev. mit Rückflussstopp –> erleichtert das Trinken)

  • Weiche Zahnbürste oder Prothesenzahnbürste (Zahnbürste vorher in warmes Wasser geben - > Borsten werden dadurch weicher)

  • Kinderzahnpasta verwenden (sind milder)

 

Pflege der Lippen

  • Mandelöl, Kokosöl

  • Sheabutter, Avocadoöl

  • flüssiger Honig, Butter

  • Rosensanddornbalsam

  • Ringelblumen- oder Propolissalbe

 

Betroffene profitieren von einem frühzeitigen Beginn einer sorgfältigen Mund- und Lippenpflege!

Was tun bei Veränderungen?

Beläge auf der Zunge/Mundschleimhaut

  • Mund nach den Mahlzeiten ausspülen sowie eventuell vorhandene Zahnprothesen reinigen

  • Kohlensäurehaltige Getränke verwenden

  • Helago®-Pflegeöl

  • Rosenhonig aus der Apotheke

  • kleine, mundgerechte Fruchtstücke lutschen – frisch oder gefroren (z. B. Ananas)

  • Beläge vorsichtig mit Mundpflegestäbchen entfernen

Pilzbelag (Soor)

  • Erkennbar an grau-weißlichem Belag auf der Zunge

  • Kann Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Brennen verursachen( Ärztliche Abklärung notwendig, da medikamentöse Behandlung erforderlich ist)

  • Mundspülungen mit Salbeitee – nur kurz ziehen lassen (3-5 min) – mehrmals tgl.

  • Salbeiblätter roh kauen

  • Mundspülung mit Kamillentee (5-10 min Ziehzeit) – mehrmals tgl.

  • Sanddornfruchtfleischöl

    • z. B. 20 ml Mandelöl + 10 Tropfen Sanddornfruchtfleischöl – mehrmals tgl. anwenden

  • Mycostatin® orale Suspension - nach ärztlicher Rücksprache

Mundgeruch

  • Regelmäßige Mund-, Zahn- und Prothesenpflege

  • Mundspülungen mit Pfefferminz- oder Melissentee

  • Kauen von Kaffeebohnen

  • Odol® Mundwasser

  • Bombastus® Mundspray oder Konzentrat

  • Chlorophyll®-Dragees können zusätzlich helfen (Achtung: Grünfärbung der Zunge)

Blutungen

  • blutverdünnende Medikamente überprüfen

  • weiche Zahnbürsten verwenden

  • weiche Nahrung, nicht zu heiß

  • Eiswürfel lutschen

  • Tees: Salbei, Schafgarbe (min. 10 min Ziehzeit) -> als Mundspülungen oder betroffene Stelle auftupfen

  • dunkle Bettwäsche bzw. Handtücher verwenden/bereitlegen

Schmerzhafte Stellen

  • Weiche, milde, kühle Speisen bevorzugen

  • mundgerechte, nicht scharfkantige Eiswürfel

  • Tees: Malve (Kaspappel), Eibischwurzel, Spitzwegerich, isländisch Moos – Achtung: nur mit kaltem bis max. lauwarmem Wasser ansetzen – min. 30 Minuten Ziehzeit – schluckweise trinken, gurgeln oder einsprühen

    • bilden „Schutzfilm“ über die Mundschleimhaut

    • nicht gemeinsam mit Tabletten einnehmen (min. 30 Minuten Abstand)

  • Sanddornfruchtfleischöl, Blutwurztinktur

  • Rosenhydrolat einsprühen

  • Pyralvex® zum Aufpinseln

Wichtiger Hinweis

Die hier bereitgestellten Maßnahmen dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Beratung, Diagnose oder Therapie. Maßnahmen zur Symptomlinderung sollten nur nach ärztlicher Rücksprache durchgeführt werden. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Beschwerden immer an die behandelnden Ärzt:innen.

Quellen:

Arbeitsgruppe der MPT´s Steiermark 2021

Bühring, U. (2021). Lehrbuch Heilpflanzenkunde. Grundlagen – Anwendung – Therapie, 5. Auflage, Georg Thieme Verlag KG.

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Sektion Pflege Pflegeleitlinien – Leitlinie Palliativpflege: Mundpflege (Stand: 6/2014)

Kränzle, S. (2023): Mundpflege. In: Kränzle et al. (Hrsg.). Palliative Care. Praxis, Weiterbildung, Studium. 7. Auflage, Springer.

Feichtner, A. (2022). Palliativpflege in der Praxis. Wissen und Anwendung. Facultas.

von Brauchschweig, R. (2018): Pflanzenöle. Über 50 starke Helfer für Genuss und Hautpflege. 6., komplett überarbeitete Auflage, Stadelmann Verlag.

Wöger, S. (2020). Palliative Pflege bei Mundtrockenheit. Eine Handreichung für Pflegepersonen und betreuende Angehörige, BoD.